„So lückenlos war die persönliche Überwachung noch nie“
Apple Watch erhöht Datenschutz-Risiken / Regensburger Experte gehört zu ersten Testern in Deutschland
Der Regensburger Datenschutzexperte Christian Volkmer gehört zu den ersten in Deutschland, die ein Exemplar der neuen Apple Watch begutachten konnten. „Ein faszinierendes Stück Hardware. Doch für den Datenschutz noch kritischer, als die mobilen Geräte, die wir bislang kennen“, so Volkmers Urteil. Jeder Nutzer müsse sich genau überlegen, welche Risiken er eingehen möchte, rät der Experte.
Aktuell läuft die heiße Phase bis zum offiziellen Verkaufsstart der Apple Watch Ende des Monats. Einige wenige Journalisten und Computer-Experten in Deutschland konnten bereits Anfang April einen ersten Blick auf die neue Computeruhr werfen. Darunter war Christian Volkmer, Inhaber der Regensburger Projekt 29 GmbH & Co. KG. Die Firma berät bundesweit Mittelständler und Großunternehmen bei IT-Sicherheit und Datenschutz.
Die Apple Watch ist ein kleiner Computer, den man sich wie eine Uhr ums Handgelenk bindet. Ähnlich wie ein Smartphone bringt das Gerät eine kleine Zahl von herstellerseits vorinstallierten Apps mit. „Doch schon sehr bald wird es Tausende dieser kleinen Programme geben, die Drittanbieter für das Gerät entwickeln. Und spätestens hier beginnt das Datenschutzproblem“, sagt Volkmer. Denn wie schon bei den Smartphones ist nicht immer klar, welche Daten aus dem Gerät eine App aufzeichnet und was der Anbieter der App mit den Daten macht.
Die Watch verschärft dieses Problem, „denn sie rückt ihrem Träger unmittelbar auf die Pelle“, so Volkmer. Die Uhr zeichnet zum Beispiel deutlich mehr und deutlich genauer Bio- und Bewegungsdaten ihres Trägers auf als Smartphones. „Durch das Tragen am Handgelenk macht sie das viel lückenloser als ein Telefon, das man ja daheim oder am Schreibtisch nicht unbedingt ständig am Körper hat. So viel Aufzeichnung und Kontrolle hat es noch nie gegeben“, so der Experte.
Beispiel Biodaten und Bewegungsmessung: Die Sensoren der Apple Watch sind in der Lage den Puls ihres Trägers genauestens und permanent zu messen. Ähnlich umfassend ist das Bewegungstracking. Laut ersten Tests erkennt die Watch zuverlässig, ob der Träger sitzt, läuft, Treppen steigt, Fahrrad oder Auto fährt.
„Nun stelle man sich die App einer Krankenversicherung vor, die man wegen einiger nützlicher Funktionen gerne installiert. Versteckt irgendwo ganz hinten in den Datenschutzbestimmungen lässt sich die Versicherung erlauben, die Bio- und Bewegungsdaten auszuwerten“, entwickelt Volkmer einen denkbaren Fall. „Völlig unbeabsichtigt öffnet man eine Datenquelle, an der Versicherungen höchstes Interesse haben. Die Apple Watch wird die Einstiegsschwelle für derartige Datenerfassungen senken“, ist sich der Experte sicher.
Zwar ließen sich die Sensoren der Watch gezielt abschalten. „Doch, sind wir ehrlich, wer ist so technikbegeistert, derart tief in die Konfiguration eines Geräts einzusteigen?“, fragt Volkmer. Und dann sei da das Problem, dass außer Apple kein Mensch wisse, was die Watch eigentlich alles könne. Veröffentlicht hat der Konzern den Puls- und den Bewegungssensor. „Doch tummeln sich im Inneren des Gehäuses einige weitere Bauteile, deren Funktion teilweise völlig unklar ist“, sagt Christian Volkmer.
Der Datenschutzexperte will nicht generell vom Kauf einer Apple Watch abraten. „Doch sollte sich jeder Träger sehr, sehr genau der Datenschutz-Herausforderungen speziell dieses Geräts bewusst sein.“
Weitere Infos: www.projekt29.de
Die Projekt 29 GmbH & Co. KG als externer Datenschutzbeauftragter
Gegründet 1996 deckt die Projekt 29 GmbH & Co. KG Fragen von Unternehmen rund um Datenschutz und IT-Sicherheit ab. Mit rund 90 Mitarbeitern an den sieben Standorten der Gruppe berät Projekt 29 Mittelständler und Großunternehmen bundesweit. Dabei fungieren die Mitarbeiter unter anderem als externe Datenschutzbeauftragte. Für ihre Kunden decken sie dabei zum einen die gesetzliche Pflicht ab, dass Unternehmen ab zehn Mitarbeitern einen Datenschutzbeauftragten benennen müssen. Zum anderen dienen die in IT, Wirtschaft und Recht ausgebildeten Experten als kompetente Berater bei der Lösung der vielen komplexen Fragen rund um den betrieblichen Datenschutz.