Kniearthrose führt nicht automatisch zu künstlichem Gelenk
Stau bis auf die Autobahn: Riesiges Interesse an erster Patientenveranstaltung von Regensburger OrthopädenGemeinschaft und Krankenhaus Barmherzige Brüder
Stau bis auf die Autobahn und völlig überfüllte Haupt- und Nebenräume: Rund 400 Besucher haben sich am Dienstagabend im Krankenhaus Barmherzige Brüder über Arthrose am Kniegelenk informiert. Detailliert und hoch informativ stellten sechs Referenten das Thema aus allen Blickwinkeln dar. „Ich weiß jetzt, dass es viele Behandlungsmöglichkeiten gibt, bevor das Knie durch eine Prothese ersetzt werden muss“, so eine Besucherin nach der Veranstaltung. „Mir ist noch einmal klar geworden, wie wichtig Abnehmen und Bewegung sind“, zeigte sich eine weitere Dame motiviert.
Der Abend war eine Premiere. Veranstaltet haben ihn das Krankenhaus und die neu gegründete Regensburger OrthopädenGemeinschaft, ein Zusammenschluss von 14 niedergelassenen Fachärzten aus Stadt und Landkreis. „Wir wollen mit dieser Kooperation die Arbeit unserer Klinik mit den niedergelassenen Kollegen besser verzahnen und die Behandlungsqualität für die Patienten weiter erhöhen“, so der chirurgische Chefarzt, Prof. Dr. Rainer Neugebauer. „Das riesige Interesse bestärkt uns, solche Informationsabende künftig vierteljährlich anzubieten“, kündigte Dr. Christian Merkl von der OrthopädenGemeinschaft an.
Aus den Reihen der OrthopädenGemeinschaft eröffnete Dr. Christoph Pilhofer den Abend mit allgemeinen Informationen zur Arthrose und ihrer Entstehung. Die oft sehr schmerzhafte Erkrankung, bei der sich der Gelenkknorpel, quasi die Schmiere im Gelenk, abbaut, trifft rund fünf Millionen Deutsche pro Jahr. Alle Arthrosen, nicht nur die im Knie, verursachen Pilhofer zufolge Gesundheitskosten von in Summe sieben Milliarden Euro jährlich. Als Ursache für eine Krankschreibung führen sie bei Frauen die Liste an, bei Männern liegen sie auf Platz zwei. Als typische Verschleißerscheinung trifft die Arthrose vor allem ältere Menschen.
Dr. Jürgen Danner stellte das große Feld der nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten vor. „Unser Ziel ist immer, den Schmerz zu bekämpfen und damit Mobilität und Lebensqualität zu sichern“, sagte der Orthopäde. Dabei kann der Patient durch regelmäßige Bewegung wie Radfahren, Walking oder Schwimmen schon selbst viel tun. Weniger Gewicht bedeutet weniger Last auf den Gelenken und vermeidet oder verzögert die Arthrose. Das nicht-operative Behandlungsspektrum umfasst Krankengymnastik, viele physikalische Methoden und den Einsatz verschiedener Medikamente. Danner beklagte, dass die Krankenkassen viele dieser hoch wirksamen Methoden nur noch eingeschränkt übernähmen.
Dr. Ulrich Graeff zeigte Möglichkeiten auf, das Kniegelenk durch ambulante Operationen zu erhalten. Mit einer athroskopischen Operation, also durch Einführen eines kleinen Schlauchs ins Kniegelenk, ließe sich die Abnutzung des Knorpels teilweise behandeln. „Gerade jüngere Patienten gewinnen unter Umständen fünf bis zehn Jahre Zeit bis zum künstlichen Kniegelenk“, so Dr. Graeff. Ebenfalls bei jüngeren Patienten könne eine Achskorrektur sinnvoll sein. Bei X- oder O-Beinen, die das Kniegelenk innen oder außen einseitig belasten, korrigiert der Operateur den Winkeln der Ober- und Unterschenkelknochen zueinander, so dass sie wieder gerade aufeinandertreffen und das Knie gleichmäßig belastet wird.
„Wann es so weit ist, das Knie doch durch eine Prothese zu ersetzen, entscheiden Sie als Patient letztlich selbst. Das hängt davon ab, inwieweit Sie sich in Ihrer Lebensqualität eingeschränkt sehen“, setzte Privatdozent Dr. Bernd Füchtmeier, Leitender Oberarzt des Krankenhauses, die Vortragsreihe fort. Einem heute eingesetzten künstlichen Knie rechnet er eine Haltbarkeit zwischen 15 und 25 Jahren zu - „eher bei 25 Jahren“, so Dr. Füchtmeier. Laut einer groß angelegten Studie aus Schweden haben heute 95 Prozent aller Patienten, die vor zehn Jahren ein künstliches Knie bekamen, noch keine Lockerungsanzeichen.
Weniger hoch sei die Erfolgsquote, wenn das künstlichen Knie noch einmal ersetzt werden muss, erläuterte Prof. Dr. Rainer Neugebauer. Es gebe heute viele gute Möglichkeiten, „doch die Erfolgsquote liegt bei 70 Prozent.“ Deswegen sei es wichtig, die Erstoperation so lange wie möglich hinauszuzögern, um eine zweite erst gar nicht nötig werden zu lassen.
Den Abend schloss der Arzt und Physiotherapeut Martin Dietmaier mit Hinweisen zur Rehabehandlung nach einer Knieoperation.
Weitere Infos:
www.regensburger-orthopaedengemeinschaft.de