Kalte Wintermonate machen Rheumapatienten zu schaffen

Ursachen weitgehend ungeklärt / Prof. Dr. Martin Fleck gibt Tipps

„Rheumapatienten leiden bei den kalten Temperaturen, die derzeit herrschen, verstärkt unter Schmerzen“, sagt Prof. Dr. Martin Fleck, Chefarzt für Rheumatologie und Klinische Immunologie am Asklepios Klinikum Bad Abbach. Das sei nicht nur wissenschaftlich belegt, sondern auch eine alltägliche Beobachtung: „In den kalten Herbst- und Wintermonaten kommen mehr Patienten mit akuten Rheumaschüben in meine Sprechstunden als in der wärmeren Jahreszeit“, erklärt Prof. Fleck. Warum das so ist, habe die Wissenschaft bislang aber noch nicht eindeutig klären können. Sicher sei, dass es bei Patienten mit entzündlichen Bindegewebserkrankungen, sogenannten Kollagenosen, vermehrt zu Durchblutungsstörungen in den Fingern kommt, die starke Schmerzen verursachen. Klinisch nachgewiesen sei ebenfalls, dass bei Patienten, die seit langem an rheumatoider Arthritis leiden und deren Gelenke bereits schwer geschädigt sind, Kälte zu vermehrten Schmerzen führt. In den meisten anderen Fällen gebe es bislang jedoch keine wissenschaftliche Erklärung. Vor allem beim klassischen Gelenkrheuma, das mit Entzündungen einhergeht, ist unklar, was die Schmerzen in den Herbst- und Wintermonaten tatsächlich auslöst.

„Wir können hier nur Vermutungen anstellen“, so der Chefarzt. Eine davon betrifft den neuropsychologischen Aspekt. „Sehr viele Menschen neigen bei nass-kaltem Wetter zu depressiven Verstimmungen und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Psyche gerade bei rheumatischen Erkrankungen eine große Rolle spielt.“ Zudem bewegten sich viele Menschen im Herbst und Winter weniger, wodurch die Schmerzen verstärkt wahrgenommen würden. Eine andere Hypothese gehe davon aus, dass Vitamin-D-Mangel zu Entzündungen führt. In den Sommermonaten und im Frühjahr erzeugt der Körper durch die Sonnenstrahlen mehr Vitamin D, das entzündungshemmend wirkt. Ein Beweis für diese Theorie fehle aber bislang.

 

Rauchen absolut tabu

Um besser durch die kalte Jahreszeit zu kommen, rät der Rheumaspezialist, sich viel zu bewegen und gesund zu ernähren, auch wenn die Wirksamkeit bestimmter Diäten - beispielsweise der Verzicht auf Fleisch - noch nicht bewiesen sei. Generell gelte aber wie für alle Menschen, dass eine gesunde Ernährung sich positiv auf den Allgemeinzustand auswirkt. Medizinisch belegt sind hingegen die Auswirkungen von Alkohol und Tabakkonsum auf Rheumapatienten. „Mäßiger (!) Alkoholgenuss, beispielsweise ein Schoppen Wein oder ein Glas Weizenbier täglich, kann den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Rauchen hingegen ist für Rheumapatienten absolut tabu: es schädigt die Gelenke zusätzlich, führt zu einem schwereren Krankheitsverlauf und auch die Medikamente wirken schlechter“, warnt der Rheumaspezialist. Eine weitere Möglichkeit sei natürlich, der kalten Jahreszeit zu entfliehen. Tatsächlich habe sich eine seiner Patientinnen eine Zweitwohnung auf den Kanarischen Inseln gekauft und verbringe dort die Wintermonate. „Das können sich aber nur die wenigsten finanziell, beruflich sowie aus familiären Gründen leisten. Es ist außerdem ein Trugschluss zu glauben, in wärmeren Breitengraden würde die Krankheit völlig zum Erliegen kommen. Das stimmt leider nicht“, berichtet Prof. Fleck.

Helfen alle diese Tipps nicht und es kommt doch zu schwereren Schüben, so müsse schnell gehandelt werden. „Je früher die Krankheit diagnostiziert und richtig behandelt wird, umso rascher kann sie unter Kontrolle gebracht werden. Bleibt eine Rheumaerkrankung zu lange unbehandelt, kommt es zu dauerhaften Gelenk- und Organschäden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.“