Fröhliche Weihnacht – trotz Gicht!
Tipps von Prof. Dr. Martin Fleck, Chefarzt für Rheumatologie am Asklepios Klinikum Bad Abbach
Mit der Weihnachtsgans kommen die Schmerzen. Wer unter Gicht leidet, sollte an den Feiertagen nicht zu sehr über die Stränge schlagen. „Gicht ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung“, sagt Prof. Dr. Martin Fleck, Chefarzt für Rheumatologie am Asklepios Klinikum Bad Abbach. In Deutschland sind knapp drei Prozent der Männer und etwa ein halbes Prozent der Frauen betroffen. Ursache der Krankheit, die schon im Mittelalter als „Zipperlein“ bekannt war, ist ein zu hoher Harnsäurespiegel. Harnsäure ist ein Stoffwechselendprodukt und wird normalerweise über die Nieren ausgeschieden. „Manche Menschen leiden unter einer angeborenen Störung, die diesen Prozess behindert“, erklärt Prof. Fleck. Der Patient merkt davon oft lange nichts. Erst nach und nach lagern sich Harnsäurekristalle in Gelenken, Organen oder im Gewebe ab. Wenn es zu viele werden, verursachen diese Kristalle den ersten Gichtanfall. Meistens tritt der Gichtanfall im Großzehengrundgelenk auf. Das Gelenk entzündet sich und schmerzt stark. Zwar klingt die Entzündung nach einigen Tagen wieder ab, „trotzdem sollte der Patient unbedingt zum Arzt gehen“, rät Prof. Fleck. Denn ohne Behandlung folgen bald weitere Gichtanfälle, die schließlich chronisch werden können. Die Patienten leiden dann unter andauernden Gelenkschmerzen und die Gelenke werden mehr und mehr zerstört. Die Harnsäure kann sich außerdem in kleinen Weichteilknoten ablagern. „Diese sogenannten Gichttophi sind gefährlich und typische Anzeichen für die chronische Stoffwechselstörung. Außerdem kann durch Harnsäureablagerungen in den Nieren eine zunehmende Nierenschädigung auftreten, die bis zur Notwendigkeit einer Dialyse führen kann“, warnt Prof. Fleck.
Behandelt wird Gicht in der Regel mit Medikamenten, die den Harnsäurespiegel senken. Inzwischen stehen hierfür auch neue verträgliche Substanzen zur Verfügung. Aufbauend auf Erkenntnissen aus der Forschung haben sich darüber hinaus in den letzten Jahren neue Therapieformen entwickelt. „Es hat sich gezeigt, dass an der Entzündungsreaktion auch das Immunsystem beteiligt ist“, erklärt Prof. Fleck. Bestimmte immunmodulierende Medikamente können hier direkt eingreifen und die Entzündung aufhalten. Wie bei vielen Erkrankungen gilt auch bei der Gicht, dass deshalb frühzeitig der Arzt aufgesucht werden sollte.
Damit die Therapie langfristig wirkt, muss der Patient allerdings unbedingt seine Ernährung umstellen. „Gicht gilt zu Recht als Wohlstandskrankheit. Sie tritt oft in Verbindung mit Übergewicht und Diabetes auf“, erklärt Prof. Fleck. Um Anfällen vorzubeugen, sollten Patienten auf Lebensmittel verzichten, bei deren Abbau besonders viel Harnsäure anfällt. „Das sind insbesondere Fleisch, Fisch und Innereien.“ Alkohol ist ebenfalls mit Vorsicht zu genießen, da er die Harnsäureausscheidung hemmt. „In Bad Abbach bieten wir deshalb spezielle Ernährungsberatungen für Patienten an“, so der Chefarzt. Auch Ehepartner sollten an der Schulung teilnehmen, damit das Gelernte wirklich im Alltag umgesetzt wird. „In der Weihnachtszeit, wenn in den meisten Familien traditionell Alkohol sowie viel und fettes Essen auf den Tisch kommen, gelingt das nicht immer“, weiß Prof. Fleck. „Wir behandeln an den Feiertagen deutlich mehr Patienten mit akuten Gichtanfällen als sonst.“ Er rät, wenn überhaupt, mit Augenmaß zu sündigen. „Zum Beispiel mehr Beilagen essen als Fleisch und nur ein kleines Glas Wein trinken statt einen ganzen Schoppen.“ Dieses kleine Gläschen könne man dafür richtig genießen – ohne Angst vor schmerzhaften Folgen.