Endgültiger Südzucker-Abzug beschleunigt CANDIS-Entwicklung
Stadt und Investor arbeiten Hand in Hand / CANDIS-Berg wird zur spektakulären Landmarke
Im CANDIS- Quartier entstehen schneller als erhofft weitere Wohnungen. Gegenüber der Ferdinand Schmack jun. GmbH hat die Südzucker AG angekündigt, ihren Regensburger Standort Mitte 2017 komplett zu schließen. „Damit können wir unsere Planungen für Wohnen, die Erweiterung des Nahversorgungszentrums und wertvollen Erholungsraum beschleunigen“, so Geschäftsführer Martin Schmack. Der Bildungsausschuss des Regensburger Stadtrats hat unterdessen beschlossen, im CANDIS-Nahversorgungszentrum eine Stadtteilbücherei und eine Außenstelle der Volkshochschule (vhs) einzurichten.
Beim gesamten CANDIS-Projekt gehe es um eine für die Stadt wichtige Rahmenplanung, so Oberbürgermeister Joachim Wolbergs bei einem Pressetermin in den Räumen der Firma Schmack. Ziel sei von Anfang an gewesen, nicht isoliert Wohnungen zu bauen, sondern ein funktionierendes neues Quartier zu schaffen, das den bislang isoliert liegende Stadtteil Hohes Kreuz an- und einbindet. „Wir als Stadt tragen im Kern mit, was die Schmacks hier im Stadtosten machen“, sagte der OB. Dabei gehe es um zusätzlichen, dringend benötigten Wohnraum genauso, wie um soziale Aspekte. „Ich danke der Firma Schmack, dass sie sich mit um die städtische Rahmenplanung kümmert und nicht ausschließlich an die eigene Rendite denkt“, so Wolbergs. Den Dank erwiderte Martin Schmack: „Wir freuen uns über die ausdrückliche Rückendeckung des neuen OB bei der weiteren Entwicklung von CANDIS.“
Dass die Zuckerveredelung der Südzucker AG mit lediglich noch 15 Arbeitsplätzen irgendwann schließt, war schon lange bekannt. Geschäftsführer Ferdinand Schmack bedauert zwar den Verlust der traditionellen Arbeitsplätze, „doch schon jetzt, wo das ehemalige Südzucker-Areal gerade zur Hälfte bebaut ist, bietet es rund 120 Menschen Arbeit – exakt so vielen, wie die Zuckerfabrik außerhalb der Kampagne“. Dabei bezieht Schmack neben dem eigentlichen Fabrikgelände an der Straubinger Straße auch die ehemaligen Klärteiche bei Irl ein. Hier entwickelt das Unternehmen den Zulieferpark LAGO A3. Stehen bei Irl in Zukunft neben der jetzigen zwei weitere Hallen und nehmen im CANDIS-Areal alle Ärzte, Händler und Dienstleister wie geplant den Betrieb auf, summiert sich die Zahl auf 220 Arbeitsplätze. Damit wäre die ehemalige Zuckerfabrik mehr als ersetzt.
Die Schmacks wollen die weiteren Planungen im Zuge des Bebauungsplan-Verfahrens in enger Abstimmung mit der Stadt noch dieses Jahr in trockene Tücher bringen. Praktisch abgeschlossen ist die Bebauung des Gebiets CANDIS I südlich der Straubinger Straße. Die östlich direkt anschließende Fläche, jetzt noch Zuckerveredelung, und das Gleisdreieck, gebildet aus den Bahnlinien vom Regensburger Hauptbahnhof Richtung Weiden und München, sollen als direkte Fortsetzung des erprobten Konzepts entwickelt werden. Nun erweist sich als vorausschauend, dass der städtebauliche Wettbewerb aus den Jahren 2009/10 bereits das gesamte Areal umfasste, die neuen Planungen also nicht bei Null starten. Östlich des Gleisdreiecks, am Hohen Kreuz, sehen die Schmacks Reihenhäuser vor. So bietet CANDIS Wohnraum für alle gesellschaftlichen Gruppen von Studenten über Familien bis zu Senioren. Die Entwicklung stützt die soziale Funktionsfähigkeit des Stadtostens mit den bestehenden Kindergärten, Schulen und Vereinen, die ohne Zuzug neuer Bewohner abzusterben drohten. Bernadette Dechant, engagierte Sprecherin der Bürgerbewegung am Hohen Kreuz, zeigt sich begeistert über die neuesten Entwicklungen: „Wir hoffen, dass hier eine offene, junge, multikulturelle Gemeinschaft entsteht. Das Konzept zeigt durch die enge Vernetzung von Wohnen, Arbeiten und Einkaufen Lösungen für innerstädtische Verkehrsprobleme.“ Architekt Stefan Nowak, Planer des CANDIS-Ärztehauses, sieht einen Imagewandel des Stadtostens kommen. „Der Stadtteil ist dabei, sich von der Schmuddelecke zu einem begehrten Quartier zu wandeln. Und zwar viel schneller, als mancher in Regensburg das für möglich hält.“
Das Gleisdreieck, künftig CANDIS Dreibrücken, bekommt die Funktion einer Drehscheibe. Es verbindet das Hohe Kreuz mit der Innenstadt und öffnet nach Süden den Zugang Richtung ehemaliger Prinz-Leopold-Kaserne. Auch dieses Gelände will die Stadt in Zukunft entwickeln. Vorgesehen ist in CANDIS Dreibrücken eine Mischbebauung aus Wohnen und wohnverträglichem Gewerbe. Mittelpunkt des Quartiers wird eine zentrale Plaza. Gastronomie, studentisches Wohnen, Büroflächen und ein Parkhaus stellen sich die Schmacks rund um die Plaza vor. Lärmschutz zur Bahnlinie Richtung Weiden soll eine lange, schmale Riegelbebauung bieten, die ihre Rückseite der Bahn zuwendet und sich nach vorne für die Bewohner öffnet. „Dieser Komplex mit dem Namen ‚Mauerterrassen’ stellt ein komplett neues Konzept in Regensburg dar“, betonte Martin Schmack. Den visionären Mut, solche Konzepte zu denken, und das Durchhaltevermögen der Brüder Schmack auch bei Hindernissen und Widrigkeiten im jahrelangen Entwicklungsprozess hebt Joachim Becker, Geschäftsführer der Stadtbau, hervor. „Der Regensburger Wohnungsmarkt ist sicher noch für einige Jahre aufnahmefähig“, so Becker. Das kommunale Unternehmen hat sich an CANDIS I schon mit 47 Wohneinheiten beteiligt. „Dazu stehen wir und können uns ein weiteres Engagement auf den neuen Flächen gut vorstellen.“
Landmarke, Naherholungsort und Lärmschutz nach Süden zur Bahnlinie Richtung München soll das Wohl spektakulärste Detail des ganzen Projekts werden: der CANDIS-Berg. Bis zu 25 Meter hoch wird eine Plattform an der Spitze ein Panorama vergleichbar dem vom Turm der Dreieinigkeitskirche bieten. An den Flanken auf sechs bis acht Metern Höhe laufen Radwege. Sie führen ohne Rampen, damit bequem ohne Steigungen, zu den drei Brücken, die nach den Vorstellungen der Schmacks das Gleisdreieck künftig erschließen. „Durch diese Verbindungen werden die Wege aus dem Osten und Süden Richtung Stadtzentrum deutlich kürzer“, so Ferdinand Schmack. Landschaftspark, Schlittenhügel, Platz für hochwertige Naturschutz-Ausgleichsflächen und viele Funktionen mehr vereint der Berg darüber hinaus.
Zusätzlicher Wohnraum von geschätzt 100.000 bis 120.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche macht auch eine Erweiterung des Nahversorgungskonzepts nötig. „Ohne zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten wäre das neue CANDIS-Quartier eindeutig unterversorgt“, weiß Stephan Meier, Prokurist und Projektverantwortlicher der Erlanger S&P Retail Development GmbH, die das Stadtteilzentrum bisher mit einem modernen REWE Center und der Stadtteilbibliothek entwickelt und vermietet hat. Das CANDIS-Ärztehaus mit Bäckerei im Erdgeschoss eröffnet im September. Ebenfalls im Herbst soll das REWE Center nördlich der Straubinger Straße folgen. Im ersten Obergeschoss findet dann auch die Stadtteilbücherei Platz. Um die Bevölkerung des Stadtteils adäquat versorgen zu können sollte das Versorgungskonzept jedoch durch einen Lebensmittel-Discounter, einen Getränkemarkt, einen Drogeriemarkt und eine Bankfiliale sowie einer Fläche für die vhs abgerundet werden. Meier zeigt sich hoch zufrieden, wie vorausschauend und offen Stadt, Schmack und S&P zusammenarbeiten. „Auf diesem Weg wird eine funktionierende, zukunftsweisende und darüber hinaus auch noch architektonisch schöne Nahversorgung entstehen“, so Meier.