Daten deutscher Patienten bald bei Wikileaks?
Oberpfälzer Zahnärzte warnen vor Datensammelwut bei elektronischer Gesundheitskarte
Die Veröffentlichung tausender vertraulicher US-Diplomaten-Berichte durch Wikileaks bringt nicht nur die hohe Politik weltweit ins Grübeln. „Wir sind in unserem Bereich sicher mindestens ebenso anfällig für solche und ähnliche Angriffe“, befürchtet Dr. Michael Förster. Der Vorsitzende des Zahnärztlichen Bezirksverbandes Oberpfalz (ZBV) warnt deshalb eindringlich davor, die Elektronische Gesundheitskarte, die sogenannte E-card, wie geplant einzuführen.
Über die E-card sollen zum Beispiel Ärzte und Krankenhäuser die Gesundheitsdaten jedes Patienten schnell und bequem abrufen können. Der Pferdefuß: Anders als der Name vermuten lässt, werden auf der Elektronischen Gesundheitskarte selbst fast keine Daten gespeichert. Vielmehr erfolgt die Speicherung der Daten auf einem zentralen Servernetzwerk, zu dem mehr als zweihunderttausend Terminals Zugang haben. Auf diese Weise entsteht eine gigantische Sammlung von Daten, die für die verschiedensten Branchen hoch interessant ist. „Wikileaks zeigt, dass sich zentrale Datensammlungen nie hundertprozentig vor unbefugtem Zugriff schützen lassen“, warnt Dr. Förster. „Sie sind immer gefährdet, sei es durch Hacker oder durch undichte Stellen im System.“ Der einzig wirksame Schutz sei, solche Datenreservoirs gar nicht erst anzulegen.
Unterstützung erhält Dr. Michael Förster aktuell vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar. Dieser fordert in einer Pressemeldung vom Dienstag „ein radikales Umdenken bei der Speicherung persönlicher Daten“. Sonst sei zu befürchten, dass demnächst nicht nur diplomatische Korrespondenz, sondern ärztliche Diagnosen, Strafakten oder andere sensible Informationen ihren Weg in das Internet fänden.
Erst im letzten Jahr haben die oberpfälzer Zahnärzte über 7.000 Unterschriften gegen die E-card gesammelt und dem zuständigen bayerischen Gesundheitsminister Markus Söder übergeben. „Das Thema bekommt mit der Wikileaks-Veröffentlichung eine neue Qualität und Aktualität. Sie zeigt, dass unsere Warnungen vor der Datensammelwut berechtigt waren und sind.“