Ausstellungseröffnung am KZ-Außenlager Hersbruck

Informationstafeln machen ehemaliges Lagergelände im Stadtbild lesbar / Erinnerung an zweitgrößtes Außenlager des KZ Flossenbürg

Die Arbeit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg wird zum ersten Mal dauerhaft außerhalb ihres eigenen Geländes sichtbar. Im mittelfränkischen Hersbruck hat am Mittwoch eine Ausstellung auf dem Gelände eines ehemaligen Außenlagers des KZ eröffnet. Hier hatte die SS eine Kaserne des Reichsarbeitsdienstes zum Gefangenenlager umfunktioniert.

„Das Gelände wurde nach dem Krieg weitgehend überbaut, das Lager ist im Stadtbild heute nicht mehr zu erkennen“, so Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit. Jetzt machen dreizehn Informationstafeln die Spuren der Vergangenheit im Gelände lesbar. „Der Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist es ein Anliegen, dieses wichtigste Außenlager des KZ Flossenbürg in Bayern der Nachwelt als historischen Ort und als Gedenkort zu vermitteln“, betonte Stiftungsdirektor Karl Freller.

Rund 9.000 Häftlinge litten im Außenlager Hersbruck 1944/45 als Zwangsarbeiter, knapp die Hälfte überlebte nicht. Im nahen Happurg mussten sie unterirdische Stollen in den Berg die Houbirg treiben. „Solche Vorhaben gab es an verschiedenen Orten in Deutschland“, erklärt Skriebeleit. Ziel war, gegen Kriegsende die Rüstungsproduktion unter Tage zu verlegen, um sie den Bombenangriffen der alliierten Streitkräfte zu entziehen. Zwei der Informationstafeln stehen in Happurg.

Nach Leitmeritz, heute in der Tschechischen Republik, war Hersbruck das zweitgrößte Außenlager des KZ Flossenbürg. „Ab 1942 hatte die SS rasant von Flossenbürg und anderen KZ-Standorten aus ein System von Außenlagern aufgebaut. Sie dienten hauptsächlich der Ausbeutung der Häftlinge durch Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie“, erklärt Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit. Das Netz des KZ Flossenbürg spannte sich 1945 schließlich mit rund 90 Lagern über die Oberpfalz, Niederbayern, Franken und Sachsen sowie das Gebiet der heutigen Tschechischen Republik bis auf die Höhe Prags.
Die Stollenanlage in Happurg, heute nicht mehr zugänglich, da vom Einsturz bedroht, war ein sinnloses Unterfangen. Rüstungsproduktion ging hier nie in Betrieb. „Ob der besonderen Brutalität der Aufseher war Hersbruck eines der gefürchtetsten Außenlager Flossenbürgs“, weiß der Gedenkstättenleiter.

Wie in Flossenbürg selbst, wo erst der 50. Jahrestag der Befreiung, 1995, den Aufbau der heutigen Gedenkstätte ausgelöst hat, war auch das Außenlager Hersbruck lange in Vergessenheit geraten. Die Lagerbaracken wurden nach 1945 zunächst als Internierungs- und Flüchtlingslager genutzt, ehe sie abgebrochen und das Gelände teilweise mit einer Wohnsiedlung bebaut wurde. Die Stadt Hersbruck errichtete ab 2003 auf dem ehemaligen Lagergelände ein neues Thermalbad. Das Kommandanturgebäude diente bis zu seinem Abriss lange Jahre als Finanzamt. An seiner Stelle wurde 2007 das neu erbaute Finanzzentrum eröffnet.

In den 1970er Jahren begann der DGB regelmäßig Gedenkveranstaltungen anzubieten. Die DGB-Jugend weihte am 5. November 1983 einen Gedenkstein an der Straße beim ehemaligen KZ-Gelände in Hersbruck ein. Seit 1999 hat sich der Verein „Dokumentationsstätte Außenlager Hersbruck“ der Erinnerung und Information angenommen. Er hat eine Wanderausstellung konzipiert, die vor allem Schulen und Jugendeinrichtungen zur Verfügung steht.

Die neu eröffnete Außenausstellung ist die erste dauerhafte Dokumentation des Außenlagers an seinem historischen Standort. Im Laufe der nächsten Jahre soll sie um einen Ausstellungspavillon ergänzt werden. Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten mit ihrem Direktor Karl Freller hat dafür vor einem Jahr ein Grundstück auf dem ehemaligen Lagergelände in Hersbruck erworben.