Altersmedizin als komplexe Herausforderung
Ausgabe 16 des OrthoJournal erschienen / Im Mittelpunkt steht der alte Patient
von Prof. Dr. Cornel Sieber, Krankenhaus Barmherzige Brüder
Der demografische Wandel unserer Gesellschaft bringt es mit sich, dass immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen dürfen. Dies wird leider häufig negativ beschrieben – zum Beispiel mit dem Begriff »Überalterung«. Jedoch sollte es eigentlich ein Grund zur Genugtuung sein!
Ziel der Altersmedizin (Geriatrie) ist es, bei (hoch-)betagten Menschen, auch wenn sie unter mehreren Krankheiten parallel leiden (Multimorbidität), die Funktionalität und damit Selbständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Ein exemplarisch gutes Beispiel, wie dies umgesetzt werden kann, ist die Alterstraumatologie, also die enge Zusammenarbeit auf einer gemeinsam geführten Station im Schulterschluss mit der Orthopädie/Unfallchirurgie sowie der Geriatrie.
In dem neuen OrthoJournal beschreibt zu Beginn Prof. Cornelius Bollheimer die Altersphänomene etwas detaillierter. Eine Besonderheit der Geriatrie ist es, dass die Altersmediziner zusammen mit einem multiprofessionellen therapeutischen Team den komplexen Herausforderungen, die ein älterer Patient häufig mit sich bringt, begegnen. Die ganzheitliche Herangehensweise innerhalb eines „physio-psycho-sozio-spirituellen“ Quartetts wird durch Geriaterin Ulrike Markert und Pflegedienstleiterin Marika Keil im OrthoJournal genauer erläutert. Die Gebrechlichkeit älterer Menschen (»Frailty«) führt zum Beispiel dazu, dass es im Kontext einer Operation häufig zu Verwirrtheitszuständen kommt. Die Bedeutung und Behandlung eines solchen Delirs beschreiben Dr. Steffen Schlee und Susanne Grimm in ihrem Beitrag.
Stürze mit oder ohne Frakturfolge sind bei älteren Menschen sehr häufig und fordern ein breit aufgestelltes interdisziplinäres Team wie das der geriatrischen Rehabilitation (siehe Artikel von Dr. Stoiber), aber auch die Kardiologie, Neurologie, Neurochirurgie inklusive Fragen zur Polymedikation heraus.
Exemplarisch für eine häufige Begleiterkrankung bei betagten Patienten ist der Diabetes mellitus. Dies nicht nur, was die Stoffwechselsituation betrifft, sondern auch die Implikationen, die diese Krankheit auf die Funktionalität auch für andere Organsysteme haben kann (zum Beispiel Gefäße – Artikel von Dr. Bernhard Fichtl; Nephrologie – Artikel von Privatdozentin Dr. Ute Hoffmann und Dr. Christian Weingart) und wie eine adaptierte Beratung erfolgen kann.
Das Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg begegnet durch den Ausbau der Geriatrie aktiv den Herausforderungen des demografischen Wandels. Gerade der betagte Patient, der häufig in seiner Mobilität eingeschränkt ist, profitiert von einer engen Verzahnung diverser Disziplinen in Diagnostik und Therapie an einem Ort – von der Akutgeriatrie bis zur geriatrischen Rehabilitation. Das Motto hier ist: Die Fachlichkeit kommt zentripetal zum Patienten.
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